Auf der ReWeCo 2026 zeichnete der BVBC zwei besondere Prüfungsleistungen aus: Isabell Tochtenhagen als beste Bilanzbuchhalterin 2025 und Katja Tkatsch als beste Controllerin 2025. Im Interview sprechen beide über ihre Motivation, die größten Herausforderungen während der Weiterbildung und ihre Erwartungen an einen Berufsverband.
Neben Fachprogramm, Austausch und aktuellen Themen aus Rechnungswesen und Controlling rückte der BVBC auf der ReWeCo 2026 auch herausragende Leistungen im Berufsstand in den Mittelpunkt. Isabell Tochtenhagen wurde als beste Bilanzbuchhalterin 2025 ausgezeichnet, Katja Tkatsch als beste Controllerin 2025. Beide leben in Hamburg und berichten im gemeinsamen Interview über ihren Weg zur Weiterbildung, den Nutzen für die berufliche Praxis und ihre nächsten Ziele.
Was war Ihr erster Gedanke, als Sie von Ihrer Auszeichnung als beste Bilanzbuchhalterin beziehungsweise beste Controllerin 2025 erfahren haben?
Tochtenhagen: Ich konnte es erst gar nicht glauben. Schon als ich den Brief mit meinen Prüfungsergebnissen geöffnet habe, konnte ich nicht glauben, dass dies wirklich meine Ergebnisse sein sollten. Ich bin aus jeder einzelnen Prüfung mit einem so schlechten Bauchgefühl gegangen – aber da sieht man mal, dass das Bauchgefühl einen durchaus täuschen kann. Umso mehr habe ich mich gefreut, dass es zu dieser Auszeichnung gereicht hat.
Tkatsch: Mein erster Gedanke war: „Die vielen langen Abende am Schreibtisch haben sich tatsächlich ausgezahlt.“ Ich bin mit dem Anspruch an mich selbst angetreten, das Bestmögliche aus der Prüfung herauszuholen. Dass dieser Fokus und der hohe persönliche Einsatz am Ende mit so einem Ergebnis belohnt wurden, ist eine unglaublich schöne Bestätigung, die mich sehr stolz macht.
Warum haben Sie sich für die Weiterbildung zur Bilanzbuchhalterin beziehungsweise Controllerin entschieden?
Tochtenhagen: Ich habe bereits eine Ausbildung zur Steuerfachangestellten absolviert und wollte in meinem Werdegang den nächsten Schritt wagen. Entscheidend war dabei, dass ich nicht nur meinen Schwerpunkt im Bereich Steuern ausbauen konnte, sondern auch Kenntnisse im wirtschaftlichen Bereich, insbesondere in der Kosten- und Leistungsrechnung, bekam. Ich wollte mich breiter aufstellen. Das war am Ende die richtige Entscheidung, um Zusammenhänge besser zu verstehen und den Blick für das große Ganze zu erlangen.
Tkatsch: Ich hatte das Glück, direkt nach meiner Ausbildung als Junior Controllerin Praxiserfahrung sammeln zu können. Um mich fachlich weiterzuentwickeln und neue, unternehmensübergreifende Perspektiven zu gewinnen, wollte ich mein Wissen auf ein neues Fundament stellen. Die Weiterbildung war die perfekte Möglichkeit, um tief in das volle Spektrum des Controllings einzutauchen.
Was war auf dem Weg zum Abschluss die größte Herausforderung?
Tochtenhagen: Selbstdisziplin. Da ich die Vorbereitung auf die Bilanzbuchhalterin in einem Online-Vollzeitkurs gemacht habe, war die Herausforderung jeden Tag aufs Neue, einen klaren Gedanken zu haben, um acht Stunden vor dem PC zu sitzen und den neu erlangten Stoff in Eigenleistung und selbständig in der "Freizeit" aufzuarbeiten.
Tkatsch: Die größte Herausforderung war der Faktor Zeit. Eine so anspruchsvolle Weiterbildung neben dem Job zu absolvieren, erfordert extremes Durchhaltevermögen. Nach einem intensiven Arbeitstag abends wieder die Schulbank zu drücken und dabei das Privatleben nicht völlig aus den Augen zu verlieren, war ein echter Balanceakt. Besonders die Disziplin zu halten, wenn im Sommer das gute Wetter lockt oder die Freunde am Wochenende grillen, war harte Arbeit.
Was hilft Ihnen aus der Weiterbildung heute bereits konkret im beruflichen Alltag?
Tochtenhagen: Da ich weiterhin in einer Steuerkanzlei arbeite, ist die Vertiefung des Steuerrechts, besonders die Besteuerung von Unternehmen, in meinem beruflichen Alltag besonders relevant – ebenso aber auch der theoretische Teil des Ausbildereignungsscheines, da ich nun auch die Ausbildung der Auszubildenden unterstützen kann.
Tkatsch: Ganz konkret habe ich vom Modul Berichtswesen profitiert. Die Inhalte konnte ich direkt eins zu eins in die Praxis übertragen. Das geht sogar so weit, dass ich mir im Team inzwischen den Spitznamen „Excel-Profi“ erarbeitet habe und die erste Anlaufstelle bei komplexen Excel-Fragen bin. Mir hilft es im Arbeitsalltag enorm, große Datenmengen effizienter zu bearbeiten und Berichte so aufzubereiten, dass sie genau auf den Empfänger zugeschnitten sind.
Was würden Sie künftigen Prüfungsteilnehmenden aus heutiger Sicht raten?
Tochtenhagen: Nehmt es nicht auf die leichte Schulter und schiebt nichts lange auf. Der Tag wird kommen, wo auf einmal nicht mehr so viel Zeit ist und die Prüfungen kurz vor der Tür stehen. Ebenso rate ich euch, nehmt jegliche zusätzliche Hilfsmittel (Kurse, Literatur, Seminare, Übungen / Übungsklausuren, Lerngruppen) dankend in Anspruch, auch wenn ihr denkt, ihr braucht es nicht. Jede Übung, jeder Austausch schafft mehr Routinen und Sicherheit.
Tkatsch: Mein wichtigster Rat lautet: In der Ruhe liegt die Kraft. Ich habe mir anfangs selbst viel zu viel Druck gemacht, weil man von allen Seiten hört, wie anspruchsvoll die Prüfungen sind. Mir hat es geholfen, so viele Altprüfungen wie möglich durchzuarbeiten, das gibt eine enorme Sicherheit für den Tag X. Nutzt außerdem den Austausch innerhalb des Kurses – denn sich gegenseitig zu motivieren und Themen gemeinsam zu diskutieren, ist einfach Gold wert. Wer dann noch das Gelernte direkt im Job anwendet, versteht die Hintergründe viel schneller und das Lernen fällt fast von allein leichter.
Wie geht es beruflich für Sie weiter? Gibt es konkrete Pläne oder Ziele?
Tochtenhagen: Derzeit möchte ich erst einmal Fuß fassen im beruflichen Alltag – die Theorie in die Praxis umsetzen und einen festen Mandantenstamm aufbauen. Vielleicht werde ich mich in Zukunft noch einmal mit dem Steuerberaterexamen auseinandersetzen, aber das ist nur die Zukunft; wer weiß, wohin es mich noch treibt.
Tkatsch: Ich möchte mich zukünftig neuen Herausforderungen stellen, bei denen ich mein erworbenes Controlling-Wissen voll einbringen und weiter ausbauen kann. Zudem liebäugle ich mit der Weiterbildung zur Bilanzbuchhalterin. Für ein tiefes, umfassendes Verständnis interessiert mich neben der Planung im Controlling auch das Fundament der Buchhaltung. Genau diese Kombination würde mir den Weitblick geben, den ich mir für meine berufliche Zukunft wünsche.
Mit der Auszeichnung ist zunächst auch eine kostenfreie Mitgliedschaft im BVBC verbunden. Was sollte ein Berufsverband aus Ihrer Sicht bieten, damit er für junge Fachkräfte im Rechnungswesen und Controlling relevant bleibt?
Tochtenhagen: Attraktive Angebote, Veranstaltungen, die die heutige Generation ansprechen.
Tkatsch: Für mich persönlich lebt ein Berufsverband vor allem vom echten Austausch. Damit er für junge Fachkräfte relevant ist, sollte er eine lebendige Plattform bieten, auf der man unkompliziert Kontakte knüpfen und über den eigenen Tellerrand hinausblicken kann. Ein solches Netzwerk ermöglicht es, sich sowohl mit Gleichgesinnten als auch mit erfahrenen Expertinnen und Experten auszutauschen und gemeinsam über aktuelle Herausforderungen im Controlling zu diskutieren. Wenn ein Verband diesen direkten Draht aktiv fördert, bietet er jungen Mitgliedern genau den Rückhalt, den sie für ihren Weg suchen.
Die Antworten von Isabell Tochtenhagen und Katja Tkatsch zeigen, wie viel Einsatz hinter einer erfolgreichen Weiterbildung steckt. Zugleich machen sie deutlich, was junge Fachkräfte heute suchen: fachliche Entwicklung, praktische Orientierung und einen Austausch, der über den eigenen Arbeitsalltag hinausführt. Genau hier setzt der BVBC an: Er will Fachkräfte im Rechnungswesen und Controlling verbinden, stärken und ihnen eine berufliche Heimat bieten – vom ersten Karriereschritt bis zur nächsten fachlichen Herausforderung.

