Als Hans Hummelsheim Anfang Dezember 2025 ohnehin einen Termin in Bonn hatte, vereinbarte er zusätzlich einen Besuch in der BVBC-Geschäftsstelle – vorausgegangen war eine Mailkorrespondenz. Aus dem Treffen wurde ein längeres Gespräch – offen, lebendig, mit vielen kleinen Rückblicken. Hummelsheim ist seit Dezember 1980 Mitglied im BVBC. In der Gründungsphase des BVBC (damals noch BVBB) Mitte der 70er Jahre in Brühl war er gelegentlich dabei.
Manchmal braucht es keinen großen Anlass, damit ein Besuch in Erinnerung bleibt. Hummelsheim kam rein, begrüßte die Mitarbeitenden der Geschäftsstelle und nach wenigen Minuten war klar: Das wird ‚ein Plausch‘ im besten Sinn – einer, bei dem man merkt, dass jemand nicht nur Mitglied ist, sondern Teil einer Geschichte.
Rund 90 Minuten lang ging es um frühe Treffen, Wegmarken und um die Frage, warum jemand einem Verband solange die Treue hält. Der konkrete Kontakt vor dem Interview hatte einen aktuellen Auslöser: Der BVBC hatte im Spätherbst 2025 seine Mitglieder erneut gebeten, sich mit Blick auf den nicht weitreichend genug gestalteten Referentenentwurf zur Änderung des Steuerberatergesetzes an Abgeordnete aus ihrem Wahlkreis zu wenden – Hummelsheim reagierte, setzte darüber auch die BVBC-Geschäftsstelle in Kenntnis und wurde infolgedessen direkt nach seiner persönlichen Mitgliedergeschichte gefragt.
Der BVBC in seinen Gründungstagen
Die Vorgeschichte des BVBC reicht weit zurück. Bereits Anfang der 1970er Jahre hatte Dr. Horst Endriss die Idee eines Verbandes für Bilanzbuchhalterinnen und Bilanzbuchhalter. Gestalt nahmen die Pläne dann Mitte der 1970er Jahre an, nachdem Endriss die Steuerfachschule Köln von seinem Vater übernommen hatte.
Hummelsheim erinnert sich an die Zeit kurz vor der Gründung in Brühl: „Viele Namen kamen aus dem Umfeld der Steuerfachschule. Man kannte sich, man traf sich, man sprach über den Berufsalltag und über Fragen, die damals wie heute viele bewegen: Anerkennung, Perspektiven, fachlicher Austausch.“ Aus diesen Runden wurde Schritt für Schritt mehr – bis 1976 letztlich die Gründungsversammlung in der Aula der Kaufmännischen Schule III der Stadt Köln stattfand.
Für Hummelsheim liegt darin bis heute eine Stärke: “Der BVBC war nie weit weg, sondern nah an dem, was Fachkräfte im Rechnungswesen und Controlling beschäftigt.“
Man bleibt, weil es etwas bringt
Auf die Frage, was jemanden über Jahrzehnte in einem Verband hält, nennt Hummelsheim keinen einzelnen Moment, er beschreibt eher einen Grundton: „Austausch, Verlässlichkeit, fachliche Nähe – der BVBC sei für ihn immer dann besonders wertvoll gewesen, wenn es konkret wurde – bei Treffen, Seminaren und Gesprächen, aus denen etwas für den Alltag mitgenommen werden konnte.“
Einige Bilder sind für Hummelsheim bis heute präsent. Auf einer Mitgliederversammlung kam er nach einem Vortrag über Excel und der Ehrung langjähriger Mitglieder mit Axel Uhrmacher, ehemaliger Vizepräsident des BVBC, ins Gespräch. Beide stellten fest, dass sie seit vielen Jahren dieselbe Weingaststätte an der Mosel schätzen – Uhrmacher, weil er dort zu Hause war, Hummelsheim, weil er seit Jahrzehnten regelmäßig an der Mosel Urlaub macht.
Besonders gern spricht Hummelsheim auch über seine Reise mit dem BVBC nach Asien. Die Region Nordrhein (damals Landesverband Nordrhein) organisierte 2010 eine Fachexkursion nach China. Hummelsheim war dabei und auch seine Tochter durfte mitreisen. Neben den ohnehin zahlreichen Eindrücken vor Ort blieben ihm besonders zwei Menschen im Gedächtnis: eine Mitreisende, die damals als Buchhalterin beim FC Bayern München arbeitete und der chinesische Reisebegleiter, welcher in Karlsruhe studiert hatte.
Ein weiteres Highlight für ihn war eine ebenfalls von der Region Nordrhein organisierte Führung über das WDR-Studiogelände in Köln-Bocklemünd, wo sich die teilnehmenden BVBC-Mitglieder unter anderem in der bekannten Fernsehkulisse der Lindenstraße wiederfanden.
„Und dann waren da die zahlreichen Termine, die weniger spektakulär wirken, aber langfristig nutzen“, so Hummelsheim, „bspw. die damaligen Seminare zur Selbstständigkeit als Bilanzbuchhalter“, die Hummelsheim während seiner eigenen Phase der Selbstständigkeit konkret weiterbrachten.
Nach den Erinnerungen an Reisen, Begegnungen und Seminare wird im Gespräch schnell klar: Für Hummelsheim sind das keine Anekdoten um ihrer selbst willen; sie stehen für etwas, das er am Verband bis heute schätzt – dass fachliche Themen nicht abstrakt bleiben, sondern im Alltag ankommen.
Blick nach vorn: Fachlichkeit bleibt gefragt
Hummelsheim verbindet seinen Ausblick mit einer nüchternen Beobachtung: Die Arbeit in Rechnungswesen und Controlling ist anspruchsvoller geworden – und damit auch die Rolle der Bilanzbuchhalterinnen und Bilanzbuchhalter. Es gehe längst nicht mehr um reine Buchhaltung, sondern um verlässliche Daten, saubere Prozesse und die Fähigkeit, Zahlen einzuordnen, wenn Entscheidungen vorbereitet werden.
Zugleich habe sich das Handwerkszeug verändert. Digitalisierung und Software hätten vieles beschleunigt, aber nicht vereinfacht. Wer fachlich sicher arbeiten wolle, müsse am Ball bleiben – gerade, weil sich Abläufe, Systeme und Anforderungen kontinuierlich weiterentwickeln.
Für den BVBC leitet Hummelsheim daraus vor allem einen Auftrag ab: Weiterqualifizierung in der Praxis ermöglichen und die Interessen der Berufsgruppe deutlich vertreten, wenn Rahmenbedingungen verhandelt werden. Sein eigener Impuls, sich im Herbst 2025 im Zusammenhang mit der geplanten Änderung des Steuerberatungsgesetzes an Abgeordnete zu wenden, passt für ihn in dieses Bild: „Beteiligung lohnt sich, wenn es um die Sichtbarkeit und die Grenzen beruflicher Aufgaben geht.“
Eine konkrete Wunschliste bezogen auf die zukünftige Verbandsarbeit formuliert er nicht; stattdessen setzt er auf Kontinuität – besonders die für Mitglieder kostenfreie Fachzeitschrift BC bewertet er als „wahres Pfund“ und liest sie nach eigenen Angaben weiterhin regelmäßig und gern.
Für den Nachwuchs bleibt seine Botschaft bewusst einfach: „Die Fortbildung zum Bilanzbuchhalter lohnt sich aus seiner Sicht auch heute noch!“
Hummelsheims Berufsweg: vom Industriekaufmann zur Geschäftsleitung
Hummelsheim startete 1962 mit einer Lehre zum Industriekaufmann und arbeitete anschließend in der Finanz- und Bilanzbuchhaltung. Nach der Bilanzbuchhalterprüfung 1979 übernahm er zunächst die Leitung der Buchhaltung in einem mittelständischen Unternehmen in Hürth und stieg wenig später als Prokurist in die Geschäftsleitung auf, wo er auch die Gesamtverantwortung für das Rechnungswesen samt Controlling trug.
Auch nach dem Ende seiner aktiven Berufstätigkeit blieb er fachlich nah dran. Er arbeitete, teils selbstständig, im Buchhaltungskontext weiter und unterstützte verschiedene Firmen projektbezogen – von betriebswirtschaftlichen Auswertungen bis hin zur Einführung der Datenschutzgrundverordnung.
Verwurzelt in der Region und im Vereinswesen
Wer Hummelsheim zuhört, merkt schnell: Verlässlichkeit und Treue sind für ihn keine bloßen Schlagwörter. Er ist seit 1980 verheiratet, hat zwei Kinder und ist fünffacher Großvater. In seinem Heimatverein, dem SSV Berzdorf 1929, ist er seit sieben Jahrzehnten Mitglied. Er spielte dort Fußball von der Jugend bis zu den „Alten Herren“, war in allen verantwortlichen Rollen aktiv und gründete 2002 den Ehrenrat, dessen Vorstand er bis heute noch ist. Erholung findet er regelmäßig in Spanien und an der Mosel – ebenfalls seit Jahrzehnten.
Mitgliedergeschichten für 2026: nicht nostalgisch, sondern echt
Der BVBC sammelt im Jubiläumsjahr 2026 Geschichten wie diese, weil sie zeigen, was sonst leicht untergeht: Ein Verband besteht nicht aus Logos, Gremien oder Jahreszahlen. Er besteht aus Menschen, die kommen, mitdenken, wiederkommen – und die sich auch nach 45 Jahren noch die Zeit nehmen, ins Gespräch zu gehen.
Wer eine prägende Begegnung, einen besonderen fachlichen Austausch oder einen persönlichen BVBC-Moment teilen möchte, ist eingeladen, einen Beitrag für das Jubiläumsjahr einzureichen. So entsteht Schritt für Schritt ein Jubiläum mit Tiefe – getragen von den Menschen, die den BVBC seit 50 Jahren prägen.
Ihre BVBC-Geschichte für das Jubiläumsjahr
50 Jahre BVBC leben von den Menschen dahinter. Teilen Sie Ihre Erinnerungen, besonderen Momente, Fotos oder Wünsche zum Verband. Aus vielen Stimmen entsteht im Jubiläumsjahr ein gemeinsames Bild.
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