20 Jahre ReWeCo, 50 Jahre BVBC: Für Uwe Jüttner ist das Jubiläum mehr als ein Rückblick auf zwei erfolgreiche Verbandsformate. Der frühere BVBC-Präsident und Initiator der ReWeCo erinnert sich in einem Interview mit Daniel Momberg aus der BVBC-Geschäftsstelle an die Anfänge, den Weg von der ersten Idee zur Fachmesse für Rechnungswesen und Controlling und daran, warum persönliche Begegnung, fachlicher Austausch und berufliche Orientierung bis heute den Kern des Verbandes ausmachen.
Herr Jüttner, Sie sind seit vielen Jahrzehnten Mitglied im BVBC. Wie begann Ihr Weg in den Verband?
Mein erster Kontakt zum damaligen BVBB entstand Mitte 1988 durch eine Gehaltsanalyse, die ich von einem Kollegen erhielt. Ich befand mich damals in der Vorbereitung auf die Bilanzbuchhalter-Prüfung. Für mich war diese Analyse hochinteressant, weil sie eine ganz praktische Frage beantwortete: Was kann ich künftig verdienen, wenn ich Bilanzbuchhalter bin? Ende 1988 habe ich meine Prüfung erfolgreich abgelegt. Mit der Bilanzbuchhalter-Prüfung in der Tasche bin ich im Januar 1989 dem Berufsverband beigetreten. Zunächst habe ich vor allem die monatliche Fachzeitschrift gelesen. Später kamen Stammtische, Seminare und persönliche Kontakte hinzu. Rückblickend war das der Beginn einer langen Verbindung zum Verband.
Wann wurde aus der Mitgliedschaft aktives Engagement?
Das entwickelte sich Schritt für Schritt. Mein erstes Seminar besuchte ich im November 1990 zum Thema „Betriebsprüfung – Richtige Vorbereitung – Erfolgreiche Reaktionen“. Die Referenten waren Christoph Gottwald und Hans-Jürgen Bathe. Ich habe das Original-Zertifikat von damals noch heute. Offenbar wurde der Landesvorstand Baden-Württemberg durch meine Teilnahmen auf mich aufmerksam. Ende 1990 wurde ich dort zum zweiten Vorsitzenden gewählt. 1998 folgte die Wahl ins Präsidium des BVBB. Meine Aufgabe war damals die Organisation der Bundesseminare und des jährlichen Kongresses. Damit war ich schon früh sehr nah an den Veranstaltungen des Verbandes.
Sie haben viele BVBC-Kongresse erlebt. Was machte diese Veranstaltungen besonders?
Ein Kongress bedeutete immer sehr viel Arbeit in der Vorbereitung. Gleichzeitig waren diese Veranstaltungen für mich prägende Erlebnisse. Ich denke an Kongresse in Saarbrücken, Wiesbaden, Köln, Gera, Hamburg-Harburg, Dresden, Hockenheim, Oberhausen, Oberstdorf, Potsdam oder Bad Nauheim. Besonders war die Verbindung aus fachlichem Lernen, persönlicher Begegnung und Gemeinschaft. Die Gespräche mit Mitgliedern und Ehrenamtlichen, das gemeinsame Lernen und auch das gemeinsame Feiern haben den Aufwand mehr als ausgeglichen. Genau diese Mischung hat den Verband für mich immer ausgemacht.
Wie entstand die Idee zur ReWeCo?
Ich war damals regelmäßiger Besucher der CeBIT in Hannover. Mich faszinierten die vollen Messehallen, die Informationsstände und die vielen parallellaufenden Fachvorträge. Dort konnte man erleben, wie stark eine Messe und ein Fachprogramm voneinander profitieren können. Aus dieser Kombination entstand bei mir der Gedanke: So etwas könnte auch der BVBC brauchen. Wir hatten bereits unsere Kongresse mit Fachvorträgen und Seminaren. Was fehlte, war eine ergänzende Fachmesse für Rechnungswesen und Controlling, bei dem Anbieter, Fachkräfte, Verlage, Weiterbildungsinstitute und weitere Partner zusammenkommen.
Wie wurde aus dieser Idee ein konkretes Format?
Ich habe die Idee mit unserer damaligen Bundesgeschäftsführerin Heike Kreten-Lenz und mit unserem Vizepräsidenten Axel Uhrmacher besprochen. Gemeinsam haben wir überlegt, wie sich ein solches Format in unserem Berufsverband umsetzen lässt. Dann haben wir Anbieter von Buchhaltungs- und Controlling-Software, Verlage, Versicherungen, Industrie- und Handelskammern, Weiterbildungsinstitute und weitere mögliche Partner angesprochen. Die Idee war, den bestehenden Kongress um eine Fachmesse zu erweitern. Der Name war schnell gefunden: Fachmesse für Rechnungswesen und Controlling – kurz ReWeCo.
2006 fand in Suhl die erste ReWeCo statt. Was war damals der besondere Moment?
Suhl war der Startpunkt eines neuen Formats. In meiner damaligen Begrüßungsrede habe ich sinngemäß gesagt: Der BVBC steht für Reformen und Innovationen. Neu war in diesem Jahr die erstmals zusammen mit dem Kongress durchgeführte Fachmesse für Rechnungswesen und Controlling. Das war für uns ein wichtiger Schritt. Wir wollten Fach- und Führungskräfte im Rechnungswesen und Controlling nicht nur zu aktuellen Themen informieren, sondern sie auch mit Anbietern, Partnern und neuen Lösungen in Kontakt bringen. Die ReWeCo sollte zeigen, dass Accounting und Controlling eng mit Innovation verbunden sind.
Was war aus Ihrer Sicht der Kern der ReWeCo-Idee?
Der Kern war die Verbindung von Fachwissen, Austausch und Marktüberblick. Der BVBC-Kongress hatte immer eine starke fachliche Basis. Durch die ReWeCo kam eine zusätzliche Dimension hinzu: Teilnehmende konnten Vorträge besuchen, Kontakte knüpfen und sich zugleich über Produkte, Dienstleistungen und Entwicklungen informieren. Für den Berufsstand war das wichtig, weil Rechnungswesen und Controlling sich ständig weiterentwickeln. Fachkräfte brauchen Orientierung, Weiterbildung und den Blick auf neue Werkzeuge. Genau das sollte die ReWeCo leisten.
Die ReWeCo hat sich über viele Jahre weiterentwickelt. Welche Stationen sind Ihnen besonders präsent?
Nach Suhl folgten viele weitere Kongresse und ReWeCo-Veranstaltungen, unter anderem in Sindelfingen, Koblenz, Celle, Bielefeld, Berlin, Würzburg, Bad Soden, Bonn, Goslar, Leipzig, Fulda, Essen, Bremen und Mannheim. 2026 sind wir schließlich in Wuppertal angekommen – mit 20 Jahren ReWeCo und 50 Jahren BVBC. Jede Veranstaltung hatte ihren eigenen Charakter. Ich verbinde damit viele Begegnungen, Gespräche und Erinnerungen. Für mich zeigt diese Entwicklung vor allem eines: Die ReWeCo ist nicht nur ein Termin im Veranstaltungskalender. Sie ist ein lebendiger Treffpunkt für den Berufsstand.
Was bedeutet Ihnen das Jubiläum 20 Jahre ReWeCo persönlich?
Für mich ist dieses Jubiläum etwas Besonderes. Wenn aus einer Idee ein Format wird, das über zwei Jahrzehnte Bestand hat, dann ist das keine Selbstverständlichkeit. Die ReWeCo wurde von vielen Menschen getragen: vom Präsidium, von der Geschäftsstelle, von Ehrenamtlichen, Ausstellern, Referenten und natürlich von den Teilnehmenden. Ich empfinde große Dankbarkeit, dass diese Idee weitergeführt und weiterentwickelt wurde. Dass wir 2026 zugleich 20 Jahre ReWeCo und 50 Jahre BVBC feiern konnten, macht diesen Moment noch bedeutender.
Wenn Sie auf 20 Jahre ReWeCo blicken: Welche Aufgabe sollte dieses Format künftig erfüllen?
Die ReWeCo sollte weiterhin ein Ort sein, an dem Fachkräfte im Rechnungswesen und Controlling Orientierung erhalten. Die Themen verändern sich: Digitalisierung, künstliche Intelligenz, neue Anforderungen an Prozesse, Berichtswesen und Beratung. Umso wichtiger ist ein Format, das diese Entwicklungen verständlich einordnet. Gleichzeitig sollte die ReWeCo das bleiben, was sie von Beginn an war: ein Treffpunkt für Menschen, die diesen Berufsstand prägen. Fachliche Qualität, persönliche Begegnung und ein starkes Verbandsgefühl gehören zusammen. Genau darin liegt für mich die besondere Stärke der ReWeCo.
Was wünschen Sie dem BVBC und der ReWeCo für die nächsten Jahre?
Ich wünsche dem BVBC, dass er weiterhin eine starke berufliche Heimat für Fachkräfte im Rechnungswesen und Controlling bleibt. Und ich wünsche der ReWeCo, dass sie auch in Zukunft Menschen zusammenbringt, Wissen vermittelt und neue Impulse setzt. Der Verband lebt von seinen Mitgliedern, seinem Ehrenamt und der gemeinsamen Überzeugung, dass unser Berufsstand eine starke Stimme braucht. Kurz gesagt: Wir alle sind der BVBC.

