Berufsportrait Controller
Controller: Der Co-Pilot am Firmensteuer
Wirtschaftlicher Lotse, zweiter Steuermann, interner Unternehmensberater – für den Controller lassen sich viele Namen finden. Sie zeigen wie vielseitig und zukunftssicher der Job desjenigen ist, der lange Zeit nur als Prüfer von Unternehmenszahlen wahrgenommen wurde.
Übersetzt in Umgangssprache könnte eine Stellenanzeige für einen Controller in etwa so lauten: „Suchen durchsetzungsfähigen und gleichzeitig einfühlsamen Zahlenkenner mit dickem Fell als Berater der Firmenleitung.“ Denn all das verlangen Unternehmen von dem modernen Firmen-Navigator. Schon die Wortherkunft macht die Rolle des Controllers deutlich: Die Berufsbezeichnung kommt aus dem Englischen von „to control“ und bedeutet steuern, führen und kontrollieren. Also lautet die Parole: Das Unternehmensschiff sicher in erfolgreiche Gewässer und möglichst schnell zum wirtschaftlichen Zielhafen lotsen.
„Der Controller denkt firmenübergreifend und ist ein wichtiges Bindeglied zwischen den Abteilungen“, sagt Renate Adler, Vizepräsidentin des Bundesverbandes der Bilanzbuchhalter und Controller (BVBC) und Leiterin des Arbeitskreises Controlling. Damit übernimmt der Controller quasi die Rolle eines internen Unternehmensberaters. Er analysiert anhand von Eckdaten, was in der Branche vor sich geht, wo das eigene Unternehmen steht und entwickelt geeignete Strategien. Der Betriebsleitung empfiehlt er dann zum Beispiel eine Ausweitung der Geschäftsfelder. Mit qualifizierten Daten und Auswertungen sorgt er dann dafür, dass die Firmenleitung strategische Entscheidungen zuverlässig treffen und umsetzen kann. Oft leiten Controller weitreichende Veränderungsprozesse ein. Dabei kann es nicht nur um ein neues Kostenrechnungsverfahren gehen, sondern auch um die Optimierung des Berichtswesens oder die Steigerung der Innovationskraft der gesamten Firma. Die genauen Verantwortungsbereiche des kreativen Steuermanns namens Controllers variieren je nach Unternehmensgröße.
Naturgemäß hat ein Controller aufgrund seines Aufgabenspektrums viel mit Zahlen zu tun. Doch Kenntnisse in Betriebswirtschaftslehre, Rechnungswesen und Co. reichen für den Job bei weitem nicht aus. Erforderlich sind darüber hinaus ein hohes Maß an sozialer Kompetenz und ein Gespür für Trends. Nur so kann der Controller für sein Unternehmen Chancen ausloten und Risiken abwenden. Er muss seinen Kollegen überzeugend vermitteln können, wo es hingehen soll. Zudem muss er Entscheidungen gegebenenfalls auch gegen Mitarbeiterproteste durchsetzen, wenn sie im Sinne des Unternehmens sind. Folglich sollte der Idealkandidat gut mit Menschen umgehen und geschickt moderieren können. „Der Controller ist weit mehr als ein Zahlenspezialist“, weiß BVBC-Vizepräsidentin Renate Adler. „Der Controller muss Datenauswertungen auch verständlich kommunizieren können.“ Dabei sind Durchsetzungsvermögen, Einfühlsamkeit und Geduld gefragt.
Die Bewältigung seiner anspruchsvollen Aufgaben erfordert vom Controller ein hohes Maß an Fachkompetenz. Selbstverständlich muss das klassische Controlling-Instrumentarium mit Kosten-, Leistungs- und Investitionsrechnungen, betriebswirtschaftlichen Kalkulationstechniken und IT-Systeme beherrscht werden. Außerdem gilt es, aussagekräftige Ergebnisse und Berichte zu verfassen und zu präsentieren. In Zeiten der Globalisierung werden zudem in der Regel zwei Fremdsprachen vorausgesetzt. Denn viele Unternehmen agieren mittlerweile weltweit oder haben ausländische Teilhaber. Multinationale Abstimmungen und Jahresabschlüsse nach internationalen Standards gehören immer mehr zum Geschäftsalltag.
In Deutschland bieten sich verschiedene Möglichkeiten, um die notwendigen Qualifikationen zu erwerben. Berufsanwärter können über Hochschulstudiengänge oder Weiterbildungen zum Berufsziel Controller gelangen. Jörg Hillemanns hat sich für ein Wirtschaftsstudium entschieden. „Meine Vorliebe für Zahlen waren der Grundstein, ein Studium der Betriebswirtschaftslehre mit dem Schwerpunkt Controlling zu wählen“, sagt er. Erste Berufserfahrungen im Rahmen von Praktika wurden durch methodisches Wissen ergänzt. Besonders lobt er das Bemühen der Dozenten, ihre Praxiserfahrung an die Studenten weiterzugeben. Als Controller steht er vor immer neuen Herausforderungen. Gerade darin sieht Jörg Hillemanns aber auch den besonderen Reiz seines Berufes: „Glücklicherweise ermöglicht das Controlling, Veränderungen sehr früh wahrzunehmen und sie als Chance zu nutzen.“
Daniel Kempe hat einen anderen Weg zum gleichen Ziel gewählt. Nach einer Ausbildung zum Kaufmann in der Grundstücks- und Wohnungswirtschaft bekam er von seinem Arbeitgeber eine Controlling-Stelle angeboten. Weil er bereits über eine dreijährige Berufspraxis verfügte, war eine Weiterbildung zum Controller IHK eine interessante Option. Daniel Kempe belegte bei einer privaten Bildungsstätte einen Vorbereitungslehrgang neben dem normalen Job. „Die Lehrinhalte waren für mich umso sehr interessanter, da ich das Gelernte täglich in der Praxis anwenden konnte", erinnert er sich. „Überrascht hat mich, wie vielfältig die Instrumentarien zur Unternehmenssteuerung und -planung, sowie zur Kostenkalkulation Anwendung finden können." Seine zur Abschlussprüfung gehörende Projektarbeit widmete er dem Thema Balanced Scorecard. Mit großem Erfolg: Sein Konzept wurde bei seinem Arbeitgeber gleich in die Praxis umgesetzt. Heute ist Daniel Kempe Leiter der Abteilung Buchhaltung und Controlling. Seine Erwartungen an den Job haben sich mehr als erfüllt: „Als Controller die Steuerung eines Unternehmens mit zu beeinflussen und der Unternehmensleitung wichtige Informationen zu geben, ist Tag für Tag ein sehr spannendes und interessantes Aufgabengebiet."
Das Bundesbildungsministerium hat zum 1. August 2006 eine neue Rechtsverordnung erlassen und den Abschluss zum „Geprüften Controller“ an die aktuellen Aufgabenstellungen angepasst. Der seit 1996 bestehende Abschluss wird damit den wachsenden Controlling-Anforderungen in Theorie und Praxis gerecht. Die Fortbildungsmaßnahme richtet sich an Absolventen einer Ausbildung im kaufmännischen oder verwaltenden Bereich. Zudem wird eine mindestens dreijährige Berufspraxis mit Controlling-Aufgaben vorausgesetzt. Wer aus anderen Ausbildungsberufen kommt, muss eine längere Berufserfahrung im Controlling-Bereich vorweisen, um zugelassen zu werden. Alternativ müssen Interessenten ein wirtschaftswissenschaftlichen Studium und zwei Jahre Berufspraxis belegen. Es bieten sich verschiedene Anbieter, die Vorbereitungskurse in Vollzeit, berufsbegleitend oder als Fernlehrgang anbieten. Nach bestandener Prüfung dokumentiert ein Zeugnis die Leistungen der schriftlichen, mündlichen und praktischen Abschlusstests.
Der Beruf des Controllers bietet gute Verdienstperspektiven. Wie viel ein Controller letztlich verdient, hängt wesentlich von seiner Position im Unternehmen, der Betriebsgröße und der Branche ab. Nach Berechnungen des Bundesverbandes für Bilanzbuchhalter und Controller e.V. (BVBC) liegt das Durchschnittseinkommen aktuell bei rund 60.000 Euro im Jahr. In Spitzenpositionen verdienen Controller in Deutschland sogar bis zu 130.000 Euro. Auch selbständige Controller haben auf dem Markt gute Chancen. Kleine und mittelständische Unternehmen brauchen nur selten einen Vollzeit-Controller und vergeben die Aufgaben lieber an externe Kräfte. Größere Unternehmen greifen bei Spezialaufgaben gerne projektweise auf selbständige Controller zurück.
Während der Beruf des Controllers in den Vereinigten Staaten bereits seit Anfang des 20. Jahrhunderts ausgeübt wird, begannen deutsche Unternehmen erst in den 80er Jahren damit, spezielle Stellen und Abteilungen einzurichten. Der Bundesverband der Bilanzbuchhalter und Controller e.V. (BVBC) mit Sitz in Bonn vertritt die wirtschaftlichen und berufspolitischen Interessen des Berufstandes.
BVBC-Bundesgeschäftsführerin Heike Kreten-Lenz sieht für die Steuermänner mit dem Händchen für Zahlen und sozialem Gespür eine positive Berufsperspektive: „Der Bedarf an qualifizierte Kräften wächst an, da auch mittelständische Unternehmen zunehmend den Nutzen eines effizienten Controllings erkennen. Gleichzeitig steigt auch in öffentlichen Einrichtungen und Verwaltungen, bei Banken und Versicherungen sowie im Kulturbereich die Nachfrage nach Controllern.“
Die richtige Qualifikation
Wer die Prüfung zum neuen, anerkannten Fortbildungsberuf „Geprüfter Controller“ ablegen möchte, muss in vielen unterschiedlichen Bereichen fit sein. Die nötigen Kenntnisse lassen sich in speziellen Vorbereitungskursen erwerben.
- Kostenrechnung und Kostenmanagement: Hier wird schriftlich abgeprüft, ob der Prüfling zum Beispiel die Kosten- und Leistungsrechnung als Instrument zur Entscheidungsfindung anwenden kann.
- Unternehmensplanung und Budgetierung: Der Prüfling muss in einer schriftlichen Prüfung zeigen, ob er etwa Teil- und Gesamtbudgets entwickeln und abstimmen kann.
- Jahresabschlussanalyse: Wie bereitet der Controller Informationen aus dem externen Rechnungswesen auf, um die Finanzlage eines Unternehmens bewerten zu können? Darum kann es in der schriftlichen Prüfung gehen.
- Berichtswesen und Informationsmanagement: Der Prüfling muss sich schriftlichen Aufgaben zum Beispiel zu controllingspezifischen Informations-techniken stellen.
- Betriebswirtschaftliche Beratung: In einer Projektarbeit soll der angehende Geprüfte Controller zeigen, dass er das Management bei einer anstehenden Entscheidung beraten und geeignete Analyseinstrumente anwenden kann.
- Führungsaufgaben und Moderation: In einer mündlichen Prüfung, bestehend aus Präsentation der Projektarbeit und Fachgespräch, geht es um das Führen von Teams und Kommunikation.







