Geprüfte Bilanzbuchhalter: Spezialisten nicht nur für Bilanzen
Der Aufgabenbereich des Bilanzbuchhalters reicht weit über reine Zahlenanalysen hinaus. Für engagierte, teamfähige und weiterbildungswillige Kräfte eröffnen sich beste Berufsperspektiven. Mit der sich abzeichnenden Liberalisierung der Steuerberatungsbranche werden die Aussichten in Zukunft noch verlockender.
Nur selten sind sich Wirtschaft und Verwaltung so einig: Bilanzbuchhalter genießen überall einen ausgezeichneten Ruf. Grundlage hierfür sind fachliche Kompetenzen, die neben dem Rechnungswesen auch detaillierte Kenntnisse in Steuerrecht, Finanzwesen und Kostenrechnung sowie umfangreiche EDV-Erfahrungen umfassen. Oft bekleiden sie Schlüsselpositionen mit einem großen Gestaltungsspielraum nach Innen und Außen.
Bilanzbuchhalter überzeugen nicht allein durch ihr fundiertes Fachwissen, sondern auch durch ihre Allrounder-Qualitäten in der Praxis. Analytische Fähigkeiten, Genauigkeit und Sorgfalt sind für den Berufsstand Pflicht. Darüber hinaus sollten Bilanzbuchhalter über ein hohes Maß an sozialem Gespür verfügen, um mit Vorgesetzen, Kollegen und Geschäftspartnern erfolgreich zu kommunizieren. Die Summe dieser Eigenschaften qualifiziert Bilanzbuchhalter für verantwortungsvolle Aufgaben. Daran besteht angesichts zunehmender wirtschaftlicher Verflechtungen auf internationale Ebene kein Mangel. Neben der Erstellung von Quartals-Jahresabschlüssen einschließlich aller damit verbundenen Vorarbeiten, kommen Bilanzbuchhalter häufig auch als Initiatoren für neue Projekte zum Einsatz.
Gerade diese Mischung macht für Bilanzbuchhalterin Ursula Carl, Abteilungsleiterin im Finanz- und Rechnungswesens bei der Real SB-Warenhaus GmbH, den Reiz des Berufes aus. „Der Bilanzbuchhalter vermittelt Herausforderungen des Rechnungswesens und begeistert Mitarbeiter für anstehende Aufgaben.“ Zurzeit erarbeitet sie als Mitglied der Projektgruppe „Common Template Accounting“ einheitliche Arbeitsabläufe, Buchungsregeln und Kontenpläne für alle Vertriebslinien der Metro AG weltweit.
Den Einsatzbereichen von Bilanzbuchhaltern sind kaum Grenzen gesetzt. Sie können zum Beispiel in Steuerberatungskanzleien, Sozialwirtschaft oder Industrie zum Einsatz kommen.
Die Möglichkeiten zur fachlichen Spezialisierung sind vielfältig und bieten gerade bei Zukunftsthemen wie Internationale Rechnungslegung ausgezeichnete Perspektiven.
Ein besonderer Pluspunkt für Bilanzbuchhalter besteht darin, dass sie keine Trennung zwischen Betriebswirt-schaftslehre und elektronischer Datenverarbeitung kennen. Das befähigt sie dazu, die Liquidität und Rentabilität von Unternehmen zu analysieren und vorauszuplanen. Sie haben damit einen großen Anteil an der Entwicklung von Unternehmen. „Bilanzbuchhalter besetzen wichtige Positionen, die maßgeblich zu einer erfolgreichen Unternehmensführung beitragen“, bestätigt Heike Kreten-Lenz, Bundesgeschäftsführerin des Bundesverbandes der Bilanzbuchhalter und Controller e.V. (BVBC). Schließlich genießt der Bilanzbuchhalter als Zahlenmensch und abteilungsübergreifender Vermittler eine besondere Vertrauensstellung.
Entsprechend gut sind die Verdienstaussichten für Bilanzbuchhalter: Das Einkommen beträgt durchschnittlich rund 52.000 Euro jährlich. Je nach Position, Branche und Region kann das Einkommen allerdings sehr unter-schiedlich ausfallen.
Besonders lohnend ist eine Weiterbildung zum Bilanzbuchhalter für gelernte Kaufleute. Wer die Prüfung zum „Geprüften Bilanzbuchhalter“ vor der Industrie- und Handelskammer (IHK) bestanden hat, ist eine gefragte Fachkraft. Gleichzeitig eröffnen sich für die Zukunft interessante Entwicklungs- und Aufstiegsmöglichkeiten. Bestes Beispiel hierfür ist Andreas Bellemann, der in der Anlagenbuchhaltung der Heidelberger Druckmaschinen AG tätig ist. „Für mich war neben der Arbeitsplatzsicherheit auch die Zukunftsperspektive ein entscheidender Aspekt der Berufswahl“.
Ein Großteil der Bilanzbuchhalter bereitet sich in anderthalb bis drei Jahren in berufsbegleitenden Lehr-gängen auf die anspruchsvollen Prüfungsinhalte vor. Um das IHK-Zertifikat zu erhalten, müssen sie in Fächern wie volks- und betriebswirtschaftliche Grundlagen, Recht, Buchführung, Jahresabschluss oder betriebliche Steuerlehre mündlich und schriftlich ihr Können unter Beweis stellen.
Voraussetzung für die Zulassung zur IHK-Prüfung ist eine kaufmännische oder vergleichbare Ausbildung plus drei-jähriger Berufserfahrung.
Die Arbeitspraxis kann beispielsweise eine Anstellung in der Buchhaltung eines Unternehmens oder bei einem Steuerberater sein. Wer keine kaufmännische Ausbildung absolviert hat, sollte mindestens sechs Jahre Berufs-erfahrung mit Bezug zum betrieblichen Rechnungswesen vorweisen können.
Mit entsprechender Vorqualifikation bieten sich ganz unterschiedliche Wege zum Beruf des Bilanzbuchhalters an. Industrie- und Handelskammern, Privatschulen und Volkshochschulen bieten Kurse zur Vorbereitung auf die Bilanzbuchhalter-Prüfung an. Begleitend empfehlen sich Fachseminare des Berufverbandes der Bilanzbuchhalter und Controller e.V. (BVBC), wodurch der Austausch über aktuelle Brennpunktthemen gewährleistet ist.
„Aufgrund sich laufend wandelnder Buchführungs- und Steuerregeln ist lebenslanges Lernen für Bilanzbuchhalter Pflicht“, sagt BVBC-Bundesgeschäftsführerin Heike Kreten-Lenz. „Im Gegenzug bieten sich aber vielfältige Entwicklungsperspektiven wie in kaum einem anderen Beruf.“ Wer sein Wissen regelmäßig auf den neuesten Stand bringt, hat beste Chancen auf einen interessanten und gut bezahlten Job. Analysen des Personalberaters Conciliat belegen, dass Bilanzbuchhalter auf dem Arbeitsmarkt sehr begehrt sind. Eindeutiges Indiz hierfür ist hier die Zahl der Jobanzeigen, die selbst bei Konjunkturflaute stetig ansteigt.
Dazu trägt ganz entscheidend die zunehmende Globali-sierung bei. Die Kenntnis internationaler Rechnungs-standards gewinnt in der Wirtschaft zunehmend an Bedeutung. Die Industrie- und Handelskammern bieten entsprechende Zusatzqualifikationen an, etwa den „Bilanzbuchhalter International“ und „Internationale Rechnungslegung nach IAS und US-GAAP“. Auch der BVBC veranstaltet Fachseminare und Workshops mit internationaler Ausrichtung, die auf große Nachfrage treffen. Auch Ursula Carl, Leiterin des Rechnungswesens bei der Real SB-Warenhaus GmbH, hat von der IHK-Prüfung zum „Bilanzbuchhalter international“ profitiert. „Länderübergreifende Arbeitsabläufe, Buchungsregeln und Kontenpläne werden immer wichtiger“, so Ursula Carl.
Von den mittlerweile rund 100.000 Bilanzbuchhaltern in Deutschland ist etwa jeder vierte selbstständig tätig. Eine von ihnen ist Brigitte Frank. Sie übernimmt nicht nur die Buchhaltung für Unternehmen, sondern berät auch in betriebswirtschaftlichen und organisatorischen Fragen.
„Ich unterstütze meine Mandanten in der Unternehmens-steuerung“, so Brigitte Frank. „Ein guter Ratgeber ist vor Ort präsent und stellt die richtigen Fragen.“ Ihre Kompetenz hat Sie sich über Jahre aufgebaut. Vor ihrer Selbstständigkeit war Brigitte Frank lange Jahre als Angestellte in verantwortungsvollen Positionen tätig, unter anderem auch als kaufmännische Leiterin und Geschäftsführerin im Vertrieb. Vor dem Schritt in die Selbstständigkeit hat Brigitte Frank neben der Bilanz-buchhalter-Prüfung auch die IHK-Weiterbildung zum Controller absolviert. Anschließend erwarb sie noch die Zusatzqualifikation als Rating Advisor. Seit Jahren engagiert sie sich ehrenamtlich im BVBC und gibt ihr Wissen an selbstständige Berufskollegen weiter.
Die Berufsperspektiven für angestellte und selbstständige Bilanzbuchhalter werden sich in Zukunft noch verbessern. Im Zuge einer zunehmenden Liberalisierung in der Steuer-beraterbranche sollen Bilanzbuchhalter einen wachsenden Verantwortungsbereich gewinnen. Bilanzbuchalter sollen künftig auch Aufgaben übernehmen dürfen, die bisher ausschließlich Steuerberatern vorbehalten waren. „Bilanzbuchhalter werden weiter an Bedeutung gewinnen“, ist BVBC-Bundesgeschäftsführerin Heike Kreten-Lenz überzeugt.
Die Wirtschaftskraft des Berufsstandes ist beeindruckend. Wenn das Monopol der Steuerberater fällt, könnten die Umsätze selbstständiger Bilanzbuchhalter um bis zu 50 Prozent nach oben schnellen. Im Zuge einer Gesetzes-änderung rechnet der BVBC mit bis zu 10.000 neuen Unternehmensgründungen. Als zentrale Interessen-vertretung der angestellten und selbstständigen Bilanz-buchhalter in Deutschland warten auf den BVBC noch viele Aufgaben. Der Rückblick auf bereits erzielte Erfolge ermutigt für alle kommenden Herausforderungen.
Vielfältige Aufgaben mit glänzenden Berufsaussichten
Die Zahl der Bilanzbuchhalter steigt in Deutschland stetig an. Kein Wunder, denn ihre Berufsperspektiven sind ausgezeichnet. Mit einem breiten Fachwissen und vielseitigen Einsatzmöglichkeiten sind Bilanzbuchhalter in Wirtschaft und Verwaltung begehrt – sowohl angestellt als auch selbstständig.
Der weitreichende Aufgabenbereich eines Bilanzbuch-halters erstreckt sich von der Organisation des gesamten Finanz- und Rechnungswesens über das Erstellen von Erfolgsrechnungen, Steuervoranmeldungen und -erklärungen bis hin zu strategisch-operativen Planungen. Selbstständige Bilanzbuchhalter übernehmen anspruchsvolle Beratungstätigkeiten.
Im Mittelpunkt der Tätigkeit steht naturgemäß die Bilanz-buchhaltung. Die meisten Bilanzbuchhalter arbeiten in Abteilungen des Finanz- und Rechnungswesens. Etwa jeder zehnte ist in einer speziellen Steuerabteilung tätig. Fast zwei Drittel der Bilanzbuchhalter nennen die Erstellung des Jahresabschlusses im Unternehmen als wichtigste Aufgabe.
Führende Positionen sind keine Seltenheit für Bilanz-buchhalter. Ihnen wird häufig die Leitung von Projekten übertragen. Die Fortbildung zum geprüften Bilanzbuch-halter bei den Industrie- und Handelskammern ist oftmals ein Sprungbrett in verantwortungsvolle Posten.
Länderübergreifendes Wissen wird für Bilanzbuchhalter immer wichtiger. Der Bundesverband der Bilanzbuchhalter und Controller e.V. (BVBC) rät zu gezielten Weiter-bildungen, schließlich haben US-GAAP-Profis und IFRS/IAS-Spezialisten beste Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Infos zu interessanten Fort- und Weiterbildungsangeboten finden Sie in unserer Bildungsdatenbank.







